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Die Geschichte des Golfspiels

Vom Königsvergnügen zum Weltsport

Bevor 1744 der erste Golfclub der Welt gegründet wurde, hatte das Spiel mit Ball und Stockschläger bereits eine lange Geschichte hinter sich. Schon eine Papyrusrolle von 1.400 v.C. zeigt den Pharao T'Houtmosis III dabei, einen massiven Ball per Stock in Bewegung zu setzen.

GolfbälleIn Nordeuropa wird ein Stock- und Ballspiel namens „Chole“ erst Ende des 12. Jahrhunderts erwähnt. Eine holländische Quelle aus dem 13. Jahrhundert verweist dabei auf ein laufintensives Spiel, das auch als Vorform des heutigen Hockey gelten könnte. Aus dem 14. Jahrhundert gibt es chinesische Abbildungen, welche die kaiserliche Gesellschaft beim Chuiwan (Stockschlagen) abbilden und hierbei auch Löcher im Spielfeld erkennen lassen.

Es kann angenommen werden, daß sich zur selben Zeit in Schottland schon eine frühe Form des Golfspiels verbreitet hat. Die erstmalige Erwähnung dieses Spiels ist durch ein Verbot in die Archive eingegangen. 1457 untersagt James der II. das Golf- und Fußballspielen, da beides zu sehr von der Pflicht zum Schützentraining ablenke. Schottland befand sich damals im Krieg gegen England. Daß das Spiel in „Militärkreisen“ sehr beliebt war, beweist auch die Tatsache, daß die ersten Schläger und Bälle von Bogenbauern hergestellt wurden. Die Golfgeschichte selbst ist jedoch eher eine Geschichte des Friedens. Als mit dem englisch-schottischen Friedensvertrag von 1502 das Golfspiel wieder erlaubt wurde, begann eine rasante Verbreitung und Weiterentwicklung des Spiels.

GolfspielerAls Spielfelder werden die Dünengebiete der schottischen Küste genutzt. Das Verbindungsland zwischen Meer und Pflanzenfeldern, auch als „Links“ bezeichnet, konnte landwirtschaftlich nicht genutzt werden. So vergnügt sich der müßige Adel damit, Kieselsteine oder Holzkugeln mit Stöcken durch das unwegsame Gelände zu schießen. Maria Stuart zum Beispiel soll 1567 kurz nach der Ermordung ihres Gatten Golf gespielt haben. Ein Vergnügen, das man ihr schwer übel nahm und als Indiz für ihre Mitschuld auslegte.

Auch der erste Golfclub der Welt gründet sich 1744 auf den eigenen Links in der Nähe von Edinburgh. „The Gentlemen Golfers of Leith“ stellen erstmals dreizehn Spielregeln auf. Zehn Jahre später gründet sich die „Society of St. Andrew Golfers“, welche erstmals Golfregeln publizieren. Später in „Royal and Ancient Golfclub of St. Andrews“ umbenannt, ist der Club heute der älteste noch existierende Golfclub der Welt. Noch immer spielt er bei der Setzung der heutigen Golfregeln eine entscheidende Rolle und die historischen Links von St. Andrew rangieren konstant auf Platz eins in den Top Hundred der internationalen Golfplätze.

Dem „R & A Golfclub“ folgten weitere zahlreiche Clubgründungen in Schottland und England. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kommen Clubs in Amerika, Südafrika, Asien und Australien hinzu. Eine Reihe von technischen Erneuerungen standardisiert das Spiel in zunehmendem Maße. 1829 wird ein Lochausheber mit genau definierten Maßen erfunden und 1858 wird das Spiel endgültig auf 18 Löcher festgelegt. Wurden anfangs nur Dünenlandschaften als Spielfläche genutzt, kommen mehr und mehr Inlandplätze hinzu. Mit künstlichen Sandbunkern und grasbewachsenen Hängen werden die schottischen Orignal-Links nachgeahmt. Der Beruf des „Platzarchitekten“ ist entstanden.

Auch die Spieler selbst verändern sich und mit ihnen die Art des sportlichen Wettkampfes. Während noch im 18. Jahrhundert schottische Adelshäuser um den Silbernen Golfschläger spielten, kann sich im Laufe des 19. Jahrhunderts bald jeder ehrgeizige Golfsportler auf einem Tournier um Titel und Preisgelder „schlagen“. Die „British Open“ von 1860, traditionell in St. Andrews ausgerichtet, bilden den Anfang der heutigen großen Championships. Und mit der Gründung der ersten Profi-Golf-Association (PGA) in den USA im Jahre 1901 wird der Grundstein für den weltweiten Profigolfsport von heute gelegt. PGA-Tours auf anderen Kontinenten übernehmen diese Organisationsweise des Profi-Golfsports.

Aber auch als Amateursport erfährt Golf seit einigen Jahren einen regelrechten „Boom“. Im Zuge dessen belebt sich der Golftourismus von Jahr zu Jahr stärker. In aller Welt entstehen neue Plätze. China zum Beispiel, das nun stolz auf seine frühe Golftradition verweist, wollte im 20. Jahrhundert kaum etwas vom Vergnügen der kontrarevolutionären Adligen wissen. Nun hat die Volksrepublik einen Golfplatzrekord aufgestellt. Mit 180 Löchern ist Mission Hills in der Nähe von Hongkong derzeit das größte Golfresort der Welt.
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